Konserven




Die Geschichte der Konserve in Portugal


Die moderne industrielle Produktion von Konservendosen in Portugal reicht bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurück und ist damit der älteste existierende Fabrikationszweig des Landes.

Bis dahin war vor allem die seit der Antike bekannte Methode durch Einlegen in eine Salz-Wasser-Lake in Amphoren oder Holzfässern verbreitet. In Portugal ist die älteste Grabungsstätte einer römischen Siedlung auf der Halbinsel Troía gegenüber der Metropole Setúbal mit einer ausgedehnten Anlage aus Steinbecken zur Herstellung der Lake ein beeindruckendes Beispiel für diese frühe Form der industriellen Herstellung.

Im Jahre 1804 entwickelt der französische Konditor und Erfinder Nicolas Appert eine Methode zur Konservierung durch Erhitzen und Luftabschluss in Glasbehältern, die heute als Einkochen oder Einwecken bekannt ist. Der britische Kaufmann Peter Durand ersetzt 1810 die empfindlichen und unhandlichen Glasbehälter durch stabile Blechkanister und erhält noch im gleichen Jahr darauf ein Patent. Die Konservendose ist erfunden. Bereits 1813 eröffnet in England die erste Konservenfabrik.

In Portugal setzen sich die modernen Sterilisationsmethoden erst später durch. Ab 1830 arbeiten die ersten Fabriken nur noch nach dem englischen Patent, zunächst im Süden an der Algarve. Bis Ende des 19. Jahrhunderts werden es mehr als 200 Anlagen entlang der Küste Portugals sein, die Konserven überwiegend für den Export produzieren.


Die Verwendung von Olivenöl anstelle von Salzlake macht die Konserven schließlich zur geschätzten Delikatesse, die auch in Portugal in den besten Hotels und Restaurants mit einem Glas Champagner serviert wird. Bis in die 1940er erlebt die Konservenproduktion ihre Blütezeit, die Produkte sind im In- und Ausland beliebt und nachgefragt.


Die schwierige politische Lage während der Diktatur besonders ab den 1950er Jahren bis zur Nelkenrevolution 1974 bewirkt durch niedrig gehaltene Preise zur Versorgung der Bevölkerung und der Einfuhr von Konserven minderer Qualität zu einem stetigen Niedergang der Produktion in Portugal. Auch der Ruf ist dahin, die Konserve gilt vielen nur noch als billiges Lebensmittel, obwohl sich die handwerklichen Produktionsmethoden in den portugiesischen Fabriken nicht verändert haben.


Durch seine Renaissance vor einigen Jahren gilt der handverarbeitete Fisch in der Dose aus Portugal zurecht wieder als hochwertiger Leckerbissen.

 




Die handwerkliche Verarbeitung der Fische


Die gefangenen Fische werden in den Fabriken tagesfrisch und in Handarbeit von erfahrenen Mitarbeiterinnen verarbeitet. Dazu zählen zunächst das Waschen, das Einsalzen zur Festigung des Fleisches und das Entfernen von Kopf, Flosse und Innereien.

 

Danach werden die auf Grilligitter aufgesteckten Fische bei ca. 100°C vorgekocht. Das Schichten in die Dosen erfolgt wieder durch Handarbeit, anschließend werden die Dosen mit Olivenöl befüllt, bei 120°C sterilisiert und verschlossen.

 

Traditionell dazu gehört das abschließende Klopfen mit den Fingern auf den Rücken der Dosen, um am Klang den Einschluss von Luftblasen zu erkennen.

 




Die Gestaltung der Dosen


Im Laufe des 19. Jahrhunderts erhalten die Konservendosen in Portugal das bis heute bekannte grafische Äußere. Die von Alois Senefelder im Jahre 1798 erfundene Lithografie bietet bis zu der Zeit die einzige Möglichkeit, mehrfarbige Drucksachen in größeren Auflagen herzustellen.


Der künstlerische Anspruch der Gestaltung und das spiegelverkehrte Aufbringen der Vorlagen auf den Druckstein bringen dem Beruf des Lithografen höchstes Ansehen und Wohlstand ein.


Mit einer Steindruckpresse werden im Flachdruckverfahren die Bleche in mehreren Durchgängen direkt bedruckt und anschließend in Handarbeit zusammengeschweißt. Später wird das manuelle Verpacken in farbige Papierbögen, die im gleichen Verfahren von Druckwerkstätten hergestellt und angeliefert werden, ebenfalls angewandt und bis heute gepflegt.


Erst ab der 40er Jahre des 20. Jahrhunderts wird das aufwendige Druckverfahren durch Sieb- und Offsetdruck verdrängt, ohne den künstlerischen Aspekt der Gestaltung aufzugeben.


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